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Interview mit Ekhard Zinke, Präsident des Kraftfahrt-Bundesamtes



Dieser Artikel stammt aus der IAA Messezeitung IAA aktuell 2016.


Herr Zinke, wie haben sich die Zulassungszahlen bei den Nutzfahrzeugen entwickelt?
Ekhard Zinke: Die Zulassungen von Nutzfahrzeugen haben im ersten Halbjahr 2016 insgesamt um  8,4 Prozent zugenommen. Die Zuwächse bei  Kraftomnibussen und Lastkraftwagen haben dazu mit zweistelligen Steigerungsraten beigetragen.  Über einen längeren Zeitraum gab es in den letzten Jahren nur bei Lkw  in der Gewichtsklasse bis 3,5 Tonnen einen steigenden Trend – die weiteren Größenklassen von 3,5 bis 20 Tonnen zeigten in den letzten zehn Jahren Rückgänge in der Neuzulassung,  die Lkw mit über 20 Tonnen zulässiger Gesamtmasse konnten sich - mit Schwankungen - über zehn Jahre in etwa auf gleichem Niveau halten.

Spüren Sie Auswirkungen des E-Commerce im Hinblick auf die Klassen unter 3,5 Tonnen?
Die Zahl der neu zugelassenen Lkw unter 3,5 Tonnen ist in den letzten zehn Jahren gestiegen – von 2005 bis 2014 um über 50.000. Dies ist mehr als bei allen anderen Gewichtsklassen. Ob diese Steigerungen im Zusammenhang mit E-Commerce oder auch anderen Trends liegen, will ich nicht beurteilen.

Gibt es relevante Bewegungen im Hinblick auf die Zulassung von elektrisch oder alternativ angetriebenen Nutzfahrzeugen?
Die Neuzulassung von Elektro-Lkw ist innerhalb eines Fünf-Jahres-Zeitraums um ein Vielfaches gestiegen. 2010 wurden weniger als 50 rein elektrisch betriebene E-Lkw neu zugelassen, im vergangenen Jahr waren es über 1.000. Die Neuzulassungen von hybriden Lkw waren im letzten Jahr siebenmal höher als fünf Jahre zuvor. 

Stirbt der 11,99-Tonner aufgrund der Mautklassifizierung wirklich aus und geht der Trend zum 15-Tonner einerseits oder zum schweren Transporter andererseits?
Ob die in den letzten Jahren feststellbaren Trends in dieser Form anhalten, wage ich nicht zu prognostizieren. Der Abschluss des Feldversuchs mit Lang Lkw Ende des Jahres, die Ausdehnung der LKW-Maut auf alle Bundesstraßen 2018, strengere Umweltkriterien und die insgesamt steigenden Güterverkehre in Europa können Auswirkungen auf die Logistik und die Zahl der Lkw haben.

Speziell bei den Nutzfahrzeugen gibt es häufig den Prozess der  Mehrstufengenehmigungen. Wie ist hier die aktuelle Lage?
In der Wohnmobilbranche ist das Mehrstufenverfahren seit Langem gängige Praxis. Dieses Stufengenehmigungsverfahren kann seit 2009 auch im Nutzfahrzeugbereich angewendet werden. Diese  Möglichkeit wird auch zunehmend genutzt, einzelne Hersteller von Fahrzeugen mit „besonderer Zweckbestimmung“ nutzen es mittlerweile vermehrt, weil sie so ihre komplette Produktionsbandbreite abdecken können.

RDE-Messungen sollen ja auch für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge kommen. Kann man hier von den Erfahrungen aus dem Lkw-Bereich, wo ja schon mit PEMS-Geräten gemessen wird, profitieren?
Ob und in wie weit man bei PKW auf die Erfahrungen im LKW-Bereich zurückgreifen kann, kann ich schwer einschätzen. Grundsätzliche Erfahrungen bei der Anwendung von PEMS-Geräten und deren Messungen ließen sich eventuell teilweise übertragen.

Quelle: IAA aktuell 2016

 



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