ZF-Zukunftsstudie: Transportroboter bestimmen bald die letzte Meile

Gemäß der ZF-Zukunftsstudie 2016 zum Thema „Logistik auf der letzten Meile“ werden sich Auslieferungsdrohnen bis zum Jahr 2030 aufgrund von Sicherheitsrisiken nicht durchsetzen, Zustellroboter hingegen sollen sowohl auf dem Land als auch in Großstädten täglich zum Einsatz kommen.
Laut ZF-Zukunftsstudie 2016 geht der Trend zur Paketauslieferung per Transportroboter. (Foto:ZF)
Laut ZF-Zukunftsstudie 2016 geht der Trend zur Paketauslieferung per Transportroboter. (Foto:ZF)
Anna Barbara Brüggmann

In einer 360-Grad-Studie untersuchte das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) räumliche und gesetzliche Rahmenbedingungen, die Erwartungen der Endkunden sowie technische Trends und deren Folgen in Bezug auf die letzte Meile. Laut Studie sollen sich die Lieferzeiten von einer Zustellung am selben Tag („same day delivery“) zu einer prompten Lieferung binnen einer Stunde („same hour delivery“) verkürzen – dies sowohl in ländlichen Regionen als auch in Metropolen. Folglich müssten die Logistikwege verkürzt werden, lokale Distributionszentren näher zum Kunden rücken und die Verteilung dezentraler organisiert werden.

Zeitkritische Lieferungen nicht nur bei Frischware setzen den Studienergebnissen zufolge jedoch Logistikdienstleister vor allem in Gegenden mit geringerer Besiedlungsdichte unter großen Kostendruck. Dieser liegt – ebenso wie ein laut Studie vorhandener Innovationsdruck - nicht nur in den wachsenden Kunden-Ansprüchen begründet, sondern ebenso in den Einschränkungen der Belieferungsverkehre, in der Verschärfung der Vorgaben für die Antriebstechnik und den Gebühren für innerstädtische Bereiche.
„Die Transportlogistik steht generell im Spannungsfeld zwischen Kundenanforderungen, neuen Technologien sowie räumlichen und politischen Umfeldbedingungen“, erläutert Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen vom Fraunhofer-Institut. Den Autoren der Studie zufolge wäre es denkbar, in Zukunft intelligente Algorithmen so einzusetzen, dass Bestellungen und Transportanforderungen antizipiert werden und sich so die benötigte Ware schon zum Zeitpunkt der Bestellung in unmittelbarer Nähe zum Kunde befindet. Eine weitere Veränderung in Bezug auf die Transportwege: Neue Technologien, wie der 3D-Drucker, mit dessen Hilfe die Herstellung von Produkten vor Ort möglich wäre, könnten teilweise sogar Transportwege ersetzen.
Zudem könnten Zusteller durch autonome Transportfahrzeuge, die ihnen von von Haus zu Haus folgen, entlastet werden. Diese Fahrzeuge könnten darüber hinaus in ländlichen Regionen dem Fahrermangel, aber auch dem Kostendruck entgegenwirken, so die weiteren Ergebnisse. Die letzte Meile könnte in Städten um bodengebundene Transportroboter ergänzt werden. Deutschlandweit prognostizieren die Forscher des Fraunhofer Instituts bis zu 400 Millionen Paketzustellungen pro Jahr.
Aufgrund eingeschränkter Reichweiten und wirtschaftlicher Gründe sehen die Autoren der Studie den Einsatz elektrischer Antriebe künftig vorwiegend zu Nachtzeiten und in Metropolen. Mit der Handlungsempfehlung einer einheitlichen "Low Emission Zones"-Regelung richtet sich die ZF-Zukunftsstudie, der bereits zwei Studien zum Thema Fernverkehr vorangingen, an die Politik. Die Logistikwirtschaft solle hingegen die sich aus der Digitalisierung ergebenden Chancen stärker nutzen.
„Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen, dass die Nutzfahrzeugbranche im Hinblick auf automobile Megatrends wie der Elektromobilität oder dem autonomen Fahren eine Schrittmacher-Funktion haben kann – weil Anforderungen, Rahmenbedingungen und Möglichkeiten hier in besonderer Weise synchronisiert werden müssen“, so das Resümee von Fredrik Staedtler, Leiter der ZF-Division Nutzfahrzeugtechnik.

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